Rasseportrait der Maine Coon

Die Amerikaner nennen den wuscheligen Katzengoliath zärtlich „Gentle Giant“ und spielen damit gleichzeitig auf das liebenswerte Wesen und die beeindruckende Größe der Maine Coon an. Zwar gehören abenteuerliche Berichte von 20 Kilogramm schweren Exemplaren vermutlich dem Reich der Märchen und Legenden an, aber groß ist sie tatsächlich die Maine Coon – ziemlich groß sogar.

Zieht man mit Norwegern und Sibirern andere Waldkatzenrassen zum Vergleich heran, lässt die imposante Katze aus dem US-Bundesstaat Maine in punkto Größe die Siegesfanfare ertönen und auch auf der Waage sticht sie die Konkurrenz spielend aus. Eine Norwegische Waldkatze mit zwölf Kilogramm Kampfgewicht wäre allenfalls als fett einzustufen, während große Maine Coons auch bei durchtrainiertem Körper den Zeiger der Waage jenseits der zehn Kilogrammgrenze zum Ausschlagen bringen.
Hüten Sie sich jedoch vor allzu großen und schweren Rassevertretern. Zuviel Gewicht schadet den Knochen, Bändern und Sehnen. Leider wurde auch die ansonsten vor allem bei Hunden auftretende Krankheit Hüftgelenksdysplasie bereits in zunehmendem Maße bei Maine Coons beobachtet. Für ein bewegungsfreudiges Raubtier, das für sein Leben gerne hohe Bäume erklimmt, atemberaubende Sprünge wagt und blitzschnell beim Beutezug reagiert, ist eine Deformation im Hüftgelenk natürlich geradezu fatal.
 


Waschbärkatze?

Es hat schon viel Rätselraten gegeben um den verwirrenden Namen „Maine Coon“. Dass es sich bei „Maine“ um einen beliebten amerikanischen Staat handelt, ist ja noch spielend leicht nachzuvollziehen, das Wörtchen „Coon“ lässt Neueinsteiger jedoch ratlos die Stirn runzeln. Angeblich wurde „Coon“ vom englischen Wort „racoon“ abgeleitet, das ins Deutsche übersetzt „Waschbär“ bedeutet.
Besonders voreilige und offensichtlich fantasievoll versierte Zeitgenossen streuten einst das Gerücht, bei der Maine Coon handele es sich um eine spektakuläre und weltweit einzigartige Kreuzung aus Hauskatze und Waschbär, was selbstverständlich haarsträubender Unsinn ist. Die angebliche Verpaarung beider Spezies ist biologisch unmöglich und gehört wohl eher einer realitätsfremden Fabelwelt als den unumstößlichen Fakten gezielter Katzenzucht an.
Vielmehr ist es vermutlich dem wuscheligen Waschbärschwanz zuzuschreiben, dass die naturverbundenen Namensgeber der Rasse an den vorwitzigen „racoon“ dachten als sie nach einer passenden und aussagekräftigen Bezeichnung für die beeindruckende Katzenrasse suchten.


Stand ein Seefahrer Namenspate?

Es gibt allerdings noch zahlreiche andere Erklärungsversuche, von denen die rührselige Geschichte um den verwegenen Seefahrer Kapitän Coon sicherlich die unterhaltsamste ist. Der Erzählung nach reiste Kapitän Coon stets mit langhaarigen Katzen um die Welt und soll gemeinsam mit seinen vierbeinigen Seefahrern unzählige Stürme und hohen Seegang überstanden haben. Es kommt noch doller: Die Langhaar-Schönheiten erwiesen sich angeblich als so anhänglich, dass sie ihren seefesten Herrn sogar bei Landgängen begleiteten.
Bei den Landausflügen sollen sich Coons Miezen als äußerst fortpflanzungsfreudig erwiesen und die einheimische Katzenwelt mit ihren Genen beglückt haben. Die halblanghaarige Nachzucht habe man als „Coons Katzen“ bezeichnet – daher der Name.



Harte Selektion

Sie sind ein Realist? Dann dürfte Ihnen die folgende Erklärung sicherlich am plausibelsten erscheinen: Maine Coons waren ursprünglich das Ergebnis einer Jahrhunderte alten Selektion. Ihr gesamter Organismus hatte sich den landschaftlichen und klimatischen Bedingungen Nordamerikas angepasst. Klirrende Kälte und eisige Winde machten den robusten Samtpfoten mit den luchsartigen Ohrpinseln ebenso wenig aus wie sengend heiße Sommer oder wochenlanger Regen.
Eine ähnliche Entwicklung lässt sich bei Norwegischen Waldkatzen, Sibirischen Waldkatzen und der Neva Masquarade nachvollziehen. Auch diese Rassen zeigten ursprünglich ein nahezu perfektes Anpassungsprofil an ihre natürliche Umgebung.
Seitdem Waldkatzen in Mode gekommen sind, hat sich eine ganze Menge geändert. Die Rasse wurde durchgezüchtet, man teilte am Phänotyp und schuf Fellfarben, die man noch vor wenigen Jahren vergeblich gesucht hätte. Die meisten Maine Coons, die wir heute auf Katzenausstellungen bewundern, haben mit den „alten Zottelkatzen“ aus Maine ebenso wenig zu tun wie Show-Norweger mit nordischen Bauernhofkatzen.



Nationale Ehren

Kehren wir noch einmal kurz zu den Anfängen der Rasse Maine Coon zurück: Angeblich reichen ihre Wurzeln bis in das Jahr 1850. Schon 1861 wurden „Gentle Giants“ als eigenständige Rasse erwähnt und es soll Farmer gegeben haben, die ihre zotteligen Freunde stolz auf Märkten zur Schau stellten. Kurz vor der Jahrhundertwende errang die Maine-Coon-Katze „Cosie“ auf einer großen Katzenausstellung in New York das begehrte „Best in Show“ und sorgte dafür, dass das Interesse für die ungewöhnlich schöne Rasse immer größere Kreise zog. Doch der Erfolg war nicht von Dauer.
Böse Zungen ruinierten den Ruf der halblanghaarigen Herzensbrecher und plötzlich hieß es, es sei nicht chic eine banale Bauernhofkatze sein Eigen zu nennen. Um 1911 galten Maine Coons praktisch als ausgestorben. Lassen sich da etwa Parallelen zum Schicksal der Europäisch Kurzhaar Katze erkennen, die – obwohl ein edles Rassetier – von vielen verächtlich als Hauskatze abgetan, in Deutschland fast vollständig von der züchterischen Bildfläche verschwunden ist?



Gerettet!

Zum Glück muss es damals Menschen gegeben haben, denen die Schönheit und das holde Wesen der großen Katzen nicht verborgen blieb. Die Rasse überlebte und endlich kam es Mitte der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts auch zur Gründung des „Central Maine Cat Clubs“. Der Club setzte sich massiv für die Popularität und den Fortbestand der Rasse ein und verbuchte mit seinen Bemühungen einen vollen Erfolg. Kurz vor Beginn der 70er Jahre wurde die erste amerikanische Interessengemeinschaft ins Leben gerufen und man kann mit Fug und Recht behaupten, dass die „Maine Coon Breeder und Fanciers Association“ der Rasse bis heute unbezahlbare Dienste geleistet hat.
1973 erfolgte die Anerkennung durch amerikanische Katzenvereine. Die berühmte „Cat Fanciers’ Association“ zog allerdings erst 1976 nach. 1985 ließ der Gouverneur von Maine die Rasse offiziell als Nationalkatze eintragen. – Ehre wem Ehre gebührt!
Seit dieser Zeit verlief die Karriere der Maine Coons wie ein Börsenkurs zu seinen besten Zeiten. Immer mehr Menschen interessierten und begeisterten sich für die anschmiegsamen „Pinselöhrchen“ und der Erfolg der Rasse blieb bis heute ungebrochen. Inzwischen zählen Maine Coons zu den beliebtesten Rassekatzen weltweit und daran wird sich vermutlich vorerst auch nichts mehr ändern.


Einfach unkompliziert

Wer einmal eine Maine Coon sein Eigen nennen durfte, wird genau wissen, warum diese Rasse so unglaublich beliebt ist. Die wuscheligen Zeitgenossen aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten haben einfach einen zauberhaften, völlig unkomplizierten Charakter.
Obwohl sie ohne Zweifel naturverbundene, „ganze“ Katzen sind, erweisen sie sich als anschmiegsam und liebebedürftige Familienmitglieder, die zärtliche Streicheleinheiten und gemütliche Kuschelstunden auf der Couch durchaus schätzen.
Allerdings hat das ausgeprägte Bedürfnis nach Zuneigung auch Grenzen: Nicht alle MCs sind ausgemachte Schoßkatzen. Sie lassen sich zwar durchaus einmal kurz hochheben und kauern dann sekundenlang mit unwirsch zuckendem Schwanz auf den zusammengepressten Knien des Zweibeiners, meistens asten sie aber kurz darauf mit einem schwungvollen Sprung herunter, um endlich wieder festen Boden unter den samtigen Pfoten zu spüren.
Sie sollten diese Eigenart akzeptieren und Ihren Liebling keinesfalls dazu zwingen, länger als freiwillig möglich auf Ihrem Schoß zu sitzen. Manchen Katzen ist es eben viel lieber, am Boden gestreichelt zu werden, damit sie sich zufrieden an den Beinen ihres Menschen reiben und sanft von einem Pfötchen auf das andere treten zu können.



Mitten im Leben

Maine Coons sind nicht so geschwätzig wie Orientalen und auch bei weitem nicht so aufgedreht wie im Schlanktyp stehende Miezen. Ihr Wesen ist vor allem ausgeglichen und gesetzt, wobei regelmäßige Temperamentsausbrüche durchaus mit auf dem vollen Tagesprogramm stehen.
Die Spiel- und Spaßlaune kommt tatsächlich schubweise und erfordert den sofortigen Einsatz des katzenfreundlichen Zweibeiners. Wenn einer Maine Coon der Sinn nach ausgelassener Stimmung steht, kennt sie kein Pardon. Dann heißt es Bällchen werfen, Fellmäuse schleudern und Catnip streuen.
Ist der Zweibeiner nicht rechtzeitig zur Stelle, müssen unter Umständen Rattanmöbel, mit Nippes vollgestellte Regale oder blumentopfreiche Fensterbänke unter dem Feuerwerk kätzischer Emotionen leiden.


Artgenossen

Da Maine Coons durch und durch gesellige Katzen sind, sollte man ihnen die Präsenz eines Artgenossen nicht vorenthalten. Es wäre geradezu ideal, wenn Sie gleich zwei Kätzchen erwerben und sie gemeinsam groß werden lassen. Zwei oder drei Katzen langweilen sich eigentlich nie und haben auch kein Problem damit, wenn ihre Menschen tagsüber mehrere Stunden lang außer Haus weilen. Für eine in Einzelhaft lebende Maine Coon kann der Alltag schnell triste Formen annehmen, die über kurz oder lang zu Unsauberkeit und Introvertiertheit fahren können.
 


Frischluft

Wenn Sie Ihrer Maine Coon wirklich eine Freude machen wollen, sollten Sie ihr die Möglichkeit verschaffen, regelmäßig Frischluft zu schnappen. Die naturverbundenen Vierbeiner schätzen Ausflüge ins Freigehege und können Stunden damit zubringen, vorbeifliegende Vögel zu beobachten oder Schmetterlingen hinterher zu springen. Manchmal kauern sie auch konzentriert im Gras und scheinen nur darauf zu warten, endlich mal ein echtes Mäuschen zu erlegen. Im Freigehege stehen die Chancen auf jagdlichen Erfolg zwar denkbar schlecht, aber es soll schon flinke Katzen gegeben haben, denen auch dieses Meisterwerk gelang.
Sollten Sie keine Möglichkeit haben, Ihrer Maine Coon ein Freigehege einzurichten, könnten Sie vielleicht darüber nachdenken, Ihren Balkon mit einem Katzennetz zu versehen und Ihrem schnurrenden Herzblatt auf diese Weise einen Platz an der Sonne zu verschaffen. Sicherheitsnetze gibt es in jedem größeren Zoofachhandel und die neusten Konstruktionen sind auch denkbar einfach zu installieren.
Falls Sie zur Miete wohnen, sollten Sie vor dem Kauf eines Katzennetzes abklären, ob Ihr Vermieter dem Plan zustimmt. Wenn es hart auf hart kommt, kann er Ihnen die Anbringung eines Katzennetzes womöglich rechtlich versagen und dann haben Sie das ganze Geld umsonst investiert.



Gelackt vom Kopf bis zur Schwanzspitze

Obwohl Maine Coons über ein üppiges Fell verfügen, gehören sie zu den pflegeleichten Katzenrassen. Jedenfalls sind ihre Ansprüche nicht einmal ansatzweise mit denen einer langhaarigen Perserkatze zu vergleichen.
Dennoch muss eine Maine Coon regelmäßig gepflegt werden, wenn sie hübsch und ansehnlich bleiben soll. Eine gepflegte Rassevertreterin macht nicht etwa dem alten Namen „Zottelkatze“ alle Ehre, sondern hat glänzendes, locker am Körper herabfallendes Fell. Die wunderschönen Höschen am Hinterteil sind makellos sauber und locker aufgebürstet.
Sie sollten Ihre Maine Coon von klein auf an die Fellpflege gewöhnen. Nur dann können Sie sicher sein, dass sich ihr Haustier das ganze Prozedere auch als erwachsene Persönlichkeit ohne Widerstand gefallen lässt. Katzen, die sich gegen Bürsten wehren, können sich zu einem echten Problem mausern. – Vor allem dann, wenn sie auf menschliche Unterstützung angewiesen sind. Es soll tatsächlich Stubentiger geben, die unter Narkose einer Totalschur unterzogen werden, weil ihr Fell aufgrund mangelnder Pflege heillos verfilzt ist.


So gehts

Kenner der Rasse empfehlen, eine Maine Coon mindestens einmal pro Woche gründlich zu pflegen. Nehmen Sie sich für dieses wichtige Ereignis genügend Zeit, damit Sie Ihre Katze nicht etwa stressen und versehentlich voller Hektik ziepen. Sorgen Sie für eine angenehme, ruhige Atmosphäre, weil das den Wellness-Faktor erheblich erhöht und die Pflegestunde zu einem überaus angenehmen Erlebnis macht.
Verwenden Sie einen Metallkamm mit breiten Zinken, eine Bürste mit gebogenen Metallborsten und einen Metallkamm mit feinen Zinken zum Nacharbeiten. Sollten Filzknötchen bestehen, sind ein Trennmesser oder eine stumpfe Schere gefragt.


Feinarbeit

Nun setzen Sie Ihre Maine Coon vorsichtig auf Ihren Schoß oder stellen Sie auf einen Tisch. Beginnen Sie, das feine Bauchfell langsam mit dem Strich zu bürsten. Anschließend wenden Sie sich dem Rückenfell zu und beenden den ersten Pflegedurchgang mit nochmaligem Bürsten des gesamten Körpers. Stützen Sie die Katze mit einer Hand im Brustbereich ab, während Sie mit der anderen Bürste oder Kamm führen.
Sollten Sie auf einen Filzknoten stoßen, teilen Sie ihn vorsichtig mit den Fingern, wobei Sie an den Haarspitzen beginnen und sich einfühlsam zum Haaransatz vorarbeiten. Nachdem die Grobarbeit erledigt ist, entwirren Sie die Reste mithilfe eines Kamms. Sitzen die verfilzten Stellen zu dicht an der Haut, schneiden Sie sie ganz vorsichtig mithilfe des Trennmessers auf.


Kurzstandard

Gesamteindruck: Großformatig, kräftig und robust.
Körper: Langgestreckt, rechteckig, starker Knochenbau, harte Muskulatur, breiter Brustkorb.
Größe: Mittelgroß bis groß.
Kopf: Mittelgroß, kantiger Kopfumriss, Profil mit sanfter konkaver Neigung der Nasenlinie. Ein leichter Stopp ist erlaubt. Die Stirn ist sanft gebogen. Die Wangenknochen sind hoch angesetzt.
Gesicht und Schnauze: Von mittlerer Länge, kantiger Umriss der Schnauze, deutlich fühlbarer Übergang zwischen Schnauze und Wangenknochen.
Kinn: Fest und kräftig; in senkrechter Linie mit Nase und Oberlippe stehend.
Ohren: Groß, breit am Ansatz, mäßig spitz zulaufend, Luchspinsel sind wünschenswert. Die Haarbüschel aus dem Ohrinnenraum ragen über den äußeren Ohrrand hinaus. Die Ohren sind hoch am Kopf platziert und zeigen eine leichte Außenneigung. Der Abstand zwischen den Ohren sollte ca. eine Ohrenbreite betragen. Bei älteren Tieren vergrößert sich der Ohrenabstand.
Augen: Groß, weit auseinanderstehend, leicht oval, klare Augenfarbe.
Nacken: Bei Katern sehr muskulös.
Beine, Pfoten: Kräftige, mittellange Beine auf großen, runden Pfoten; Haarbüschel zwischen den Zehen.
Schwanz: Die Länge des Schwanzes entspricht der Länge des Körpers vom Schwanzansatz bis zu den Schultern. Er ist breit am Ansatz und läuft zum Ende hin spitz zu. Die Schwanzbehaarung ist voll, lang und wehend.
Fell: Dichtes, halblanges Deckhaar, mit mäßig entwickeltem Unterfell. An Kopf, Schultern und Beinen ist das Fell kurz; entlang dem Rücken und an den Seiten wird es allmählich länger. Die Hinterbeine tragen lange, volle Hosen.
Textur: Seidig. Grobes, glattes Deckhaar bedeckt die Unterwolle.
Farben: Alle, außer Pointzeichnung, Chocolate, Cinnamon, Lilac und Fawn. Die Augenfarbe ist unabhängig von der Fellfarbe.

Quellenangabe zum Text:
Mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift „Our Cats“, Autor: Gabriele Metz,
www.our-cats.de

 

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